05 Feb

Nahrungsmittelunverträglichkeiten vom Spättyp (IgG / IgG4-vermittelt)

Nahrungsmittelunverträglichkeiten nehmen immer mehr zu. Besonders schwer zu identifizieren sind dabei solche vom Spättyp. Diese treten zeitversetzt bis zu drei Tage nach dem Verzehr der Lebensmittel auf. Deshalb ist es fast unmöglich, Ihnen selbst auf die Spur zu kommen. Auch mit einem gut geführten „Ernährungstagebuch“ gelingt dies nur selten.

Die Beschwerden äußern sich in Form von Schmerzen, Krämpfen, Blähungen, Völlegefühl, Durchfall, Verstopfung. Auch Symptome, die nicht mit Nahrungsmitteln in Verbindung gebracht werden, wie Kopfschmerzen/Migräne, Müdigkeit, Erschöpfung, Antriebsschwäche, Angstzustände, Unruhe/Nervosität, Hyperaktivität/ADHS, Depressionen, Gefühlsschwankungen oder Muskel- und Gelenkschmerzen können auftreten.

Nicht zu verwechseln sind Nahrungsmittelunverträglichkeiten mit Nahrungsmittelallergien. Bei einer Allergie kommt es zu einer Sofortreaktion des Organismus (IgE-vermittelt). Das heißt, bei einer Allergie z.B. gegen Haselnüsse kommt es innerhalb von Sekunden bis Minuten nach dem Verzehr zu allergischen Symptomen, wie Atembeschwerden, plötzliches Anschwellen der Schleimhäute, Husten, Juckreiz, Hautausschlag oder Quaddeln. Die schlimmste Form ist der lebensbedrohliche anaphylaktische Schock.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten hingegen sind nicht lebensbedrohlich. Sie zählen zu den eher unbekannten IgG/IgG4-vermittelten Spätreaktionen unseres Immunsystems. Die häufigsten Unverträglichkeiten betreffen dabei Kuhmilch (Kasein – Milcheiweiß), Hühnereier, Getreide, Soja. Betroffene reagieren meist auf mehrere Nahrungsmittel gleichzeitig. Meist sind es solche, die täglich verzehrt werden.

Die Patienten kommen oft mit chronischen „Verdauungsbeschwerden“ in die Praxis und schildern einige der oben erwähnten Symptome. Ein Darmcheck (Einsenden einer Stuhlprobe in ein Speziallabor) klärt erst einmal ab, wie es im Darm aussieht. Er gibt z.B. Auskunft über die Besiedlung mit guten und schlechten Darmbakterien, über Verdauungsrückstände, Entzündungsmarker, Schleimhaut-Antikörper oder über ein Leaky Gut-Syndrom (durchlässiger Darm). In der Regel geben einige der Marker schon einen Hinweis darauf, dass Nahrungsmittelunverträglichkeiten vom Spättyp vorhanden sein könnten. Es kann dann eine weiterführende Diagnostik erfolgen. Dies geschieht mittels Allergo-Screen-Test. Das ist ein Bluttest, der z.B. in der Variante „Basic IgG/IgG4“ 88 Einzelallergene (Lebensmittel) testet.

Die getesteten Lebensmittel werden in 4 Stufen unterteilt, je nach Stärke der Antikörperbildung. Dabei dürfen Lebensmittel der Stufe 1 weiterhin verzehrt werden, Lebensmittel der Stufe 2 nach einem Rotationsprinzip alle 4 Tage und Lebensmittel der Stufen 3 und 4 sollten für 6 Monate aus der Ernährung gestrichen werden. Danach können diese Lebensmittel einzeln wieder in den Speiseplan aufgenommen werden. Wenn sie keine Probleme mehr verursachen, dürfen sie wieder täglich verzehrt werden. Zeitgleich zur Nahrungsmittelkarenz wird eine Darmsanierung durchgeführt.

Die Betroffenen spüren meist schon nach kurzer Zeit des Weglassens der positiv getesteten Lebensmittel eine Besserung ihrer Beschwerden.